Als eine der größten ehrenamtlichen Bewegungen unserer Zeit steht die Tafel-Bewegung für bürgerschaftliches Engagement: Die erste Tafel wurde 1993 im Ehrenamt gegründet.
Ein Blick auf die Anfänge – die Berliner Tafel e.V.:
Die beispiellose Geschichte der Tafelbewegung in Deutschland begann mit einem Vortrag vor einem kleinen Verein, der Initiativgruppe Berliner Frauen e.V. und einem Zeitungsartikel.
Die engagierten Berlinerinnen wollten vor allem die Situation der Obdachlosen der Stadt verbessern. Von dem Konzept der New Yorker City Harvest inspiriert, schien der Gedanke, überschüssige Lebensmittel einzusammeln und diese an Menschen in Not und soziale Einrichtungen weiterzugeben, einfach und sinnvoll.
Zunächst fuhren die Frauen mit ihren privaten PKWs, redeten sich bei den Händlern den Mund fusselig, dass sie nicht die Abfälle, sondern die überzähligen, einwandfreien Waren haben wollten. Schnell wurden die Medien und somit die Bevölkerung aufmerksam, schnell sprach sich die gute Idee herum und schnell wurde klar: Die Lebensmittelspenden werden nicht nur von Obdachloseneinrichtungen benötigt, sondern auch von anderen sozialen Organisationen der Stadt. Egal ob Frauenprojekte, Kinderzentren, Frühstücks- oder Mittagsangebote für Arbeitslose.
Sabine Werth, von Anfang an treibende Kraft, gründete daraufhin 1993 den Verein Berliner Tafel, bei dem von nun an auch Männer mitmachen durften. Dabei verzichtete der Verein von Anfang an bewusst auf staatliche Zuschüsse, damit anderen Einrichtungen nicht womöglich dieses Geld abgezogen würde.
Im Oktober 1994 gründeten sich die Münchner und die Neumünsteraner Tafel. Mit der Gründung der Hamburger Tafel im November 1994 setzte sich die Tafel-Bewegung endgültig durch.
Geschützter Name
Die Tafeln in Deutschland sammeln überschüssige Lebensmittel ein. Sie geben diese kostenlos oder gegen einen geringen Betrag an Menschen mit wenig Geld weiter. Damit engagieren sie sich unabhängig von politischen Parteien und Konfessionen gegen Lebensmittelverschwendung und lindern Armut.
Der Name „Tafel“ ist geschützt – nur, wer sich den Tafel-Grundsätzen anschließt, bekommt vom Bundesverband den Namen Tafel verliehen.
Grundversorgung und Unterstützung durch die Tafeln
Für die Grundversorgung der Menschen ist der Staat zuständig. Die Arbeit der Tafeln darf kein Alibi dafür sein, Menschen das Bürgergeld oder andere Transferleistungen zu kürzen.
Die Tafeln helfen Menschen, einen gewissen finanziellen Spielraum zurückzugewinnen und sich gesünder zu ernähren. Es ist nicht das Ziel, dass sie mithilfe der Spenden über die ganze Woche kommen.
Viele Tafeln finanzieren sich ausschließlich durch Sach- bzw. Geldspenden und können daher nicht garantieren, was und wie viel am Tag verteilt werden kann – mitunter ist es wenig, bisweilen viel. Dies trifft auch auf die Laatzener Tafel für Hemmingen, Laatzen und Pattensen e.V. zu. Die Laatzener Tafel kauft keine Waren hinzu, sie gibt ausschließlich Spenden weiter und sie versucht, die Lebensmittel gerecht zu verteilen – damit niemand zu kurz kommt.
Manche Spenderinnen und Spender möchten ihren Mitmenschen einen besonderen Gefallen tun und spenden Wein, Bier oder Spirituosen. Das bringt die Ehrenamtlichen in gewisse Nöte, denn sie kennen die Lebensumstände der Menschen, die zu ihnen kommen nicht.
Die Laatzener Tafel verteilt daher grundsätzlich keinen Alkohol.
Mindesthaltbarkeitsdatum oder „zu verbrauchen bis“
Wenn Medien berichten, die Tafeln verteilen „abgelaufene Lebensmittel“, dann ist das sehr misslich. Suggeriert wird dadurch, dass armutsbetroffene Menschen nur das bekommen, was andere nicht mehr haben wollen. Richtig ist dagegen, dass die Tafeln voll verzehrfähige Lebensmittel verteilen. In der Regel sind dies neben Obst und Gemüse vor allem Waren, die zu viel geordert wurden oder kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) aus dem Verkauf genommen wurden. Das MHD sagt jedoch nicht, dass die Lebensmittel nach dessen Erreichen per se schlecht sind. Es ist kein Verfallsdatum.
Wer hatte nicht schon mal einen Joghurt im Kühlschrank oder eine Konserve im Schrank, die trotz erreichten MHDs noch gut waren? Dagegen war vielleicht ein Käse frühzeitig schimmlig, weil die Packung beschädigt war. Ob Lebensmittel noch gut sind oder nicht, ist keine Frage des Aufdrucks, sondern des Riechens und vorsichtigen Probierens.
Das MHD ist oft irreführend und führt zu zum Teil unschönen Diskussionen. Inzwischen setzen sich, u.a. auch die Vorsitzende der Berliner Tafel, für die Abschaffung des MHDs ein. Verwendet werden sollte nur noch das Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis“), das schon beispielsweise für Eier, Fleisch oder Fisch verwendet wird und mit dem das MHD oft verwechselt wird.